Markttendenzen im September 2026
Aktuellen Land-Wirtschaftsaussichten Kartoffeln
Kartoffel
Der Kartoffelmarkt wird fester!
Nach einem anfangs eher düsteren Start in die neue Kartoffelsaison hat sich der Kartoffelmarkt in den vergangenen Wochen deutlich verändert. Im Sommer zeigte sich zunächst, dass die Vorräte aus der Ernte 2025/2026 tatsächlich größer waren als ursprünglich erwartet. Gleichzeitig hat die extreme Sommerhitze das Heranwachsen der Kartoffelernte 2026 in vielen Regionen Europas erheblich beeinträchtigt. Besonders betroffen waren Teile Mittel- und Süddeutschlands, Belgiens und Frankreichs sowie Teile der Niederlande. Erst Ende August, nachdem die Frühkartoffeln weitgehend geräumt waren und zunehmend die Mengen aus der Haupternte auf den Markt kamen, wurde das tatsächliche Bild deutlicher: Das Angebot an Kartoffeln in Europa ist in diesem Jahr kleiner als in durchschnittlichen Jahren. Die Entwicklung ist allerdings je nach Marktsegment sehr unterschiedlich.
Speisekartoffeln: Hoher Druck des LEH - eher knapperes Angebot
Im Speisekartoffelbereich ist der Druck des Lebensmitteleinzelhandels (LEH) auf die Packbetriebe nach wie vor sehr hoch. Die Einkaufspreise für Kartoffeln stehen dabei unter Druck. Eine Entwicklung, die der Verbraucher im Supermarkt oder Discounter nicht unbedingt unmittelbar wiederfindet. Die Nachfrage selbst ist normal und die Ware fließt gut ab. Gleichzeitig ist das Angebot bedarfsdeckend. Hinzu kommen in diesem Jahr sehr wechselhafte Qualitäten und eher kleinfallende Sortierungen. Das Zusammenspiel aus normaler Nachfrage, begrenztem Angebot und wechselhaften Qualitäten führt derzeit insgesamt zu auskömmlichen Preisen für gute und vermarktungsfähige Ware, die waschfähig und für das Abpacksegment geeignet ist.
Verarbeitungskartoffeln mit unterschiedlichen Entwicklungen
Bei den Verarbeitungskartoffeln ist das Bild deutlich komplizierter. Bei Flockenkartoffeln besteht außerhalb bestehender Verträge derzeit kaum zusätzliche Nachfrage. Ein großer Teil dieses Marktes ist exportorientiert, auch außerhalb Europas. Hier trifft ein relativ großes Angebot auf eine verhaltene Nachfrage. Das führt zu niedrigen Preisen und wirkt sich auch auf die Nachfrage nach Flockenkartoffeln im europäischen Markt aus. Auch der europäische Pommes-Markt hat sich auf der Nachfrageseite nach einem sehr schwierigen Jahr 2025/2026 bislang noch nicht nachhaltig erholt. Die Nachfrage ist weiterhin verhalten. Das gilt nicht nur für Europa, sondern auch für viele Märkte weltweit. Entsprechend läuft der Absatz von Pommes-Produkten derzeit nicht so dynamisch, wie es sich die Industrie wünschen würde. Geplante Werksschließungen in unseren Nachbarländern Belgien und den Niederlanden und die Absage für den Bau einer Pommes-Fabrik in Niedersachsen verdeutlichen dies. Die mittlerweile gesunkenen Preise für das Endprodukt scheinen aber dazu beigetragen zu haben, dass die europäischen Hersteller ihre Marktposition beim Export außerhalb Europas wieder etwas zurückgewinnen konnten. Die Exportzahlen aus Juni 2026 weisen einen der höchsten Exportwerte der vergangenen Jahre in einem Monat auf (Quelle https://de.boerenbusiness.nl/. )
Pommes-Kartoffeln: Der Markt dreht
Beim Rohstoff für die Pommes-Produktion hat sich das Bild im Juli und August jedoch überraschend schnell verändert. Innerhalb kurzer Zeit entwickelte sich der Markt von einem wahrgenommenen Überschuss hin zu einem Markt, in dem das frei verfügbare Angebot möglicherweise bereits zu klein ist. Besonders die zusätzliche Nachfrage aus Belgien, Frankreich und Großbritannien hat diese Entwicklung verstärkt. Die Tagespreise haben innerhalb von rund zehn Tagen die Marke von 20 €/dt überschritten. Kartoffeln der Ernte 2025 sind in den Fabriken der europäischen Pommes-Industrie bis in den September hinein verarbeitet worden. Allerdings sind die tatsächlich über den freien Markt abgewickelten Mengen bislang noch relativ gering. Es bestätigt sich der Eindruck, dass weniger freie Ware verfügbar ist, gleichzeitig aber auch die verfügbare Ware nicht besonders
schnell verkauft wird. Besonders gefragt sind derzeit größere Kaliber bzw. grobfallende, spezifikationsgerechte Ware, die für die Verarbeitung zu Pommes geeignet ist.
Chips-Kartoffeln: Weniger Mengen in der Region
Bei den Chips-Kartoffeln stehen qualitativ gute Partien zur Verfügung. Diese sind allerdings überwiegend bereits vertraglich gebunden. Gleichzeitig sind die in unserer Region geernteten Mengen in diesem Jahr kleiner als üblich. Auch hier zeigt sich damit ein insgesamt begrenzteres Angebot.
Fazit
Der Kartoffelmarkt hat sich innerhalb weniger Wochen deutlich verändert. Während im Sommer noch die vergleichsweise großen Restbestände aus der vergangenen Ernte im Vordergrund standen, zeigt sich mittlerweile, dass die neue Ernte in vielen Regionen Europas deutlich kleiner ausfällt. Der Markt wird fester, allerdings nicht in allen Segmenten gleichermaßen. Während bei Speisekartoffeln ein begrenztes Angebot auf eine normale Nachfrage trifft, ist die Situation bei den Verarbeitungskartoffeln differenzierter. Besonders bei Pommes-Kartoffeln hat sich das Marktbild Ende August spürbar gedreht. Wie nachhaltig diese Entwicklung ist, wird sich in den kommenden Wochen zeigen. Entscheidend werden die weitere Ernteentwicklung, die Qualität und Sortierung der eingelagerten Ware sowie vor allem die Entwicklung der Nachfrage der europäischen Verarbeitungsindustrie sein.

