Ziel: Die VR-PLUS-Lücke schließen
EJZ 06.06.2026
Vereinigte Saatzuchten Ebstorf (VSE) entwickeln ein Unternehmen, das einen Teil der Getreideernte in der Region abwickeln soll.
von Detlef Boik
Lüchow. Der Agrarmarkt im Geschäftsgebiet der VR Plus Altmark-Wendland sortiert sich neu, weil die Genossenschaft anstrebt, ihre vier Warengeschäftsfelder aufzugeben, darunter den Agrarbereich. Katalysator dieser Entwicklung ist die anstehende Getreideernte. Vermutlich das erste Unternehmen der Branche, das konkrete Schritte unternimmt, um sich Marktanteile zu sichern, sind die Vereinigten Saatzuchten Ebstorf (VSE). Die Genossenschaft mit Hauptsitz in Ebstorf im Landkreis Uelzen entwickelt ihr altes 100-prozentiges Tochterunternehmen LTH Clenze zur VS Nova. Die Umbenennung soll am Montag notariell abgeschlossen werden, informiert Dr. Christoph Hauser, der geschäftsführende Vorstand der VSE. Die neu entstehende VSE-Tochter soll in Lüchow-Dannenberg, in der Altmark und im Bereich Wittingen/Hankensbüttel tätig werden. „Wir bauen ein neues Unternehmen auf, das der Landwirtschaft in der Region hilft“, betont Hauser.
In einigen Räumen des Maschinenring-Gebäudes in Lüchow befindet sich die Geschäftsstelle, dort sitzen bereits zwei Disponenten: Axel Fiesinger und Amelie Schoop. Ihren Sitz hat die VS Nova in Clenze. Losgehen sollen die Geschäfte Anfang Juli, schildert ihr Geschäftsführer Jörg Vogelmann. Er kommt wie die meisten seiner 17 Mitarbeitenden direkt von der VR Plus. Dort habe er den Düngerhandel und die Logistik geleitet sowie den Standort Lüchow.
Zurzeit werden mit Hochdruck zwei Getreideannahmestellen in Klein Breese und in Wietzetze auf die Ernte vorbereitet. An beiden Standorten auf landwirtschaftlichen Betrieben seien bauliche Veränderungen notwendig, erläuterte Vogelmann. In Klein Breese soll bis Ende Juni eine geeichte Fuhrwerkswaage eingebaut werden. In Planung seien weitere Standorte. Wegen laufender Verhandlungen wolle er aber noch nicht bekanntgeben, wo sie sich befinden. Standorte der VR Plus sollen allerdings nicht übernommen werden, versichert Vogelmann.
Zudem soll ein eigener Fuhrpark zunächst mit geleasten Fahrzeugen aufgebaut werden, schildert der Geschäftsführer. Außerdem sollen Spediteure mit den notwendigen Transporten beauftragt werden. Vogelmann rechnet damit, dass das neue Unternehmen rechtzeitig zur Ernte mit den Vorbereitungen für die Getreideannahme fertig ist. Wie groß die Mengen sein werden, die bei der VS Nova angeliefert werden, sei schwer abzuschätzen. „Wir wissen nicht, wie sich die Warenströme neu sortieren.“
VSE-Geschäftsführer Dr. Hauser sieht das Tochterunternehmen als genossenschaftliche Antwort darauf, dass die VR Plus ihre Warengeschäftsfelder aufgeben will. Man habe täglich Anrufe von Landwirten aus der Region erhalten, die sich darum sorgen, wohin sie ihre Getreideernte liefern können, ergänzt Vogelmann. Er betont, dem neuen Unternehmen gehe es nicht nur um die Ernte. Man strebe an, die Lücke zu füllen, die die VR Plus im gesamten Agrarhandel in der Region hinterlassen werde.
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